Alles im Leben hat scheinbar einen tieferen Sinn! Obwohl ich eigentlich nicht an das Schicksal glaube, haben mich die letzten Wochen eines Besseren belehrt.

Wir haben in den knapp 3 Monaten Überwintern in der Gegend rund um Águilas (Arroz, Palmenstrand und San Juan) viele neue Bekanntschaften geschlossen. Leider hat sich eine vermeintliche Freundin als nicht so guter Mensch erwiesen und unsere gemeinsamen Wege haben sich getrennt. Eine schmerzliche Erfahrung und Enttäuschung vor allem für Anne, aber auch das gehört zum Leben dazu. Dafür war das Zusammentreffen mit der schweizer Familie um Joelle & David und der deutschen Familie um Feli & Julian eine unglaubliche Bereicherung in unserem Leben und wie sich später herausstellte, eine glückliche Fügung des Schicksals!

Die Schweizer trafen wir am Arroz und natürlich waren es die Kinder, welche den ersten Kontakt hatten. Durch das gemeinsame Spielen kamen auch wir Erwachsene uns näher und fanden einander recht schnell sympathisch. Die 5 Schweizer sind erst seit Kurzem im Wohnmobil unterwegs und wollen austesten, ob dieses Leben etwas für sie ist. Joelle ist eher skeptisch und David total begeistert. Somit hatten wir natürlich viel Gesprächsstoff und nutzten die Möglichkeit, unsere Erfahrungen weiter zu geben. David stellte sich als absolut liebenswerter Tausendsassa heraus und wir nannten ihn recht schnell unser „Schweizer Taschenmesser in Menschengestalt“. Er sprüht nur so vor Energie und Ideenreichtum, das es eine wahre Freude ist, ihm zuzuhören.

Die deutsche Familie begegnete uns am Palmenstrand. Wir saßen mit Freunden zusammen vor unserem Wohnmobil, als ein neuer Camper ankam und kurz darauf eine Frau ausstieg, auf uns zukam und sich einfach vorstellte: „Hallo, ich bin Feli.“ So simpel und doch so gut und richtig. Nur durch solche Offenheit lernen sich Fremde kennen und werden zu Freunden. Die beiden Kinder der Neuankömmlinge Feli & Julian verstanden sich sofort mit unseren Jungs und den 4 Kindern unserer Freunde und so war schnell das Eis gebrochen. Auch diese Familie war erst seit ein paar Tagen unterwegs, haben aber schon vorher für längere Zeit in Deutschland im Wohnmobil gelebt. Doch nun wollen sie Europa bereisen und planen, nach Südamerika auszuwandern. Also auch hier mal wieder sehr viel Gesprächsstoff.

Zu meinem Geburtstag reisen auch die Schweizer an und so haben wir alle, dank Annes Organisationsgeschick einen wundervollen Tag und Abend. Erst selbst gebackener Kuchen und dann gemeinsames Grillen, Musik und Tanz! Ein unvergesslicher Augenblick für mich. Wir tauschen Kontaktdaten aus und nehmen uns vor, uns bald wieder zu sehen, denn nun geht bald jeder wieder seinen eigenen Weg. Nach ein paar gemeinsamen Tagen brechen wir auf Richtung Málaga. Dort erwarten uns die slowakischen Freunde und ein Paket von meinen Eltern. Wir treffen die Schweizer wieder an einem tollen Stellplatz bei La Isletta. Hier ist es herrlich ruhig und kaum andere Wohnmobile, was sehr ungewöhnlich ist für Spaniens Mittelmeerküste um diese Zeit. Auch Feli & Julian stoßen wieder dazu. So sind wir schneller wieder vereint als gedacht. Wieder haben wir schöne gemeinsame Tage. David hilft mir bei der Optimierung unserer Solartechnik. Jetzt haben wir mehr Stromertrag und können dadurch länger autark stehen. Da wir uns alle so gut verstehen (6 Erwachsene und 7 Kinder + Linda mit Sohn, noch dazu gestoßen vom Arroz, wo auch sie die Schweizer kennen gelernt haben), beschließen wir, den nächsten Spot – ein erloschener Vulkankrater – als Karawane anzufahren. Das könnt ihr euch auch gerne in einem unserer YouTube Videos anschauen – klickt >hier<.

Mit drei Wohnmobilen brechen wir auf. Feli und Familie brauchen etwas länger und kommen nach. Beim Zwischenstopp zum Lebensmittel einkaufen stoßen sie wieder zu uns, wollen aber noch eine Mittagspause machen. Also fahren wir zu dritt vor zum Krater, finden dort einen guten Ausgangspunkt für unsere Wanderung und packen etwas Proviant in die Rucksäcke. Anne bleibt im Wohnmobil, weil ihr Asthma den beschwerlichen Aufstieg verhindert. Kaum ist der Rest losgegangen, ruft Anne mich an: „Es ist was Schlimmes passiert, die Felis hatten einen schweren Unfall!“ Natürlich entscheiden Anne und ich uns sofort, ihnen zur Hilfe zu eilen. Ich gebe unsere Jungs in die Obhut von Joelle und David. Zum Glück finden wir das verunglückte Wohnmobil schnell. Der Schock ist groß, als wir das Ausmaß des Unfalls sehen: ein 40-Tonner ist mit hoher Geschwindigkeit auf das Wohnmobil aufgefahren und das komplette Heck bis zum Wohnbereich zerstört! Wir nehmen sofort die beiden Kinder in unserem Wohnmobil in Betreuung. Anne kümmert sich rührend um die Beiden. Ich versuche Feli zu beruhigen, während Julian mit der Polizei und der Versicherung spricht. Zum Glück ist er zur Hälfte Spanier und beherrscht die Sprache. Nach einer Weile kommen auch die anderen Familien mit unseren Jungs von ihrem Ausflug zurück. Gemeinsam räumen wir das Wohnmobil aus, organisieren eine Unterkunft, bestellen ein Taxi und bringen abends noch die restlichen Sachen zur Ferienwohnung. Ein Riesenschreck für uns alle, aber zum Glück ist niemandem etwas passiert und keiner ist verletzt!

Wir bleiben noch 2 Tage bei den Felis, um sie noch etwas zu unterstützen beim sortieren und eine kleine moralische Stütze zu sein. Julian kümmert sich um Mietwagen und ist im regen Austausch mit der Versicherung. Gemeinsam halten sie Ausschau nach einem neuen gebrauchten Wohnmobil, denn sie wollen trotz allem weiter reisen. Langsam kommt die geschockte Familie wieder zur Ruhe, so dass wir weiter ziehen in Richtung Málaga. Dort erwartet uns die slowakische Familie und das Paket meiner Eltern. Dort angekommen, sind wir erst einmal ziemlich entsetzt über die Masse an Menschen und Fahrzeugen auf dem Stellplatz! Nach einiger Suche finden wir unsere Freunde. Das Paket hat der slowakische Vater für uns abgeholt und die Aufregung und Freude beim auspacken ist groß! Vielen Dank an meine Eltern 🥰! Wir verbringen ein paar schöne Tage hier. Aber aufgrund der erdrückenden Fülle hier verweilen wir in Málaga nicht so lange wie geplant, sondern brechen auf zu den heißen Quellen bei Santa Fe / Granada. Dort steht schon die Familie aus der Schweiz und freut sich auf uns. Auch diese aufregenden Tage könnt ihr euch auf unserem YouTube Kanal ansehen – klickt >hier<.

Nach einer abenteuerlichen Anfahrt den Berg hinauf begrüßen uns Joelle und David herzlich und wir haben eine wunderbare Zeit zusammen. Ein toller Platz mit grandioser Aussicht, unweit der heißen Quellen und aufgrund der beschwerlichen Anfahrt zum Glück nicht so überlaufen! Da der Fußweg zu den Quellenbecken ziemlich anstrengend ist und wir uns entschieden haben, länger zu bleiben (der Schweizer hat bald Geburtstag), mietet David spontan ein Auto für uns alle. Damit sind wir mobiler auf dem Weg zur Quelle und können im Ort auch einkaufen. Anne macht mit Joelle und den Kindern einen Ausflug nach Granada mit interessantem Stadtbummel. Und dann erwischt es uns: wir wollen zu Davids Geburtstag unsere Wohnmobile als Windschutz umstellen und unser Auto springt nicht an! Anlasser und Batterie sind es definitiv nicht, also begeben David und ich uns auf die Fehlersuche. Aber erstmal ordentlich Geburtstag feiern. Wieder einmal ein schöner gemeinsamer Abend mit Grill, Bier, Musik und Feuer.

David und ich schrauben die nächsten 5 Tage am Auto, glauben an den Erfolg und geben nicht auf! Doch alle Mühen brachten nicht das gewünschte Ergebnis: der Motor springt nicht an. Mehrere Telefonate mit Freunden in Deutschland führen uns zu dem Schluss, das der Fehler beim Zahnriemen liegt. Nach Anleitung von meinem Freund Pöschi bauen wir alles ab und entdecken, dass der Zahnriemen tatsächlich um einen Zahn übergesprungen ist. Somit sind die Steuerzeiten verstellt und der Motor kann nicht starten! Auch das zurück setzen des Riemens und der Nockenwellenscheibe brachte keinen Erfolg. Mehr können wir hier vor Ort nicht machen, also fällt die Entscheidung, unser Wohnmobil in eine Werkstatt abschleppen zu lassen. Eine Zusammenfassung dieser aufregenden Tage könnt ihr >hier< auf YouTube sehen. Julian und Feli, die deutsche Familie mit dem schrecklichen Unfall, erreichen früher als erwartet mit ihrem „neuen“ Wohnmobil die heißen Quellen und wollen ein paar Tage hier mit uns verbringen. Das neue Wohnmobil ist ebenfalls ein Iveco Daily und Julian war damit in der Iveco Werkstatt in Granada, um einige Servicearbeiten durchführen zu lassen. Er ist ganz angetan von dem Team und so beschließen wir, unser Auto auch dorthin zu bringen. Da Julian ja sehr gut spanisch spricht, telefoniert er mit der Werkstatt und kündigt uns und unser Problem an. Nun müssen wir nur noch unser Wohnmobil vom Berg bekommen. Die Abschleppunternehmen weigern sich, hier hoch zu fahren. Also versuchen wir, einen lokalen Bauern zu finden. Dank Julians Sprachkenntnissen können wir einen Traktor organisieren. Allerdings will der Bauer 150€ dafür haben! Sonntag Mittag soll es losgehen. Ich bereite alles vor, sodass wir dann gleich loslegen können. Und dann ist das Schicksal wieder mal auf unserer Seite: am Samstagabend kommt eine Freundin vorbei und in ihrem Schlepptau Jonny. Der hat einen Allrad Sprinter und bietet mir an, das Wohnmobil ins Tal zu ziehen! Dankbar nehmen wir dieses Angebot an und sagen dem Bauern ab – 150€ gespart 👍🏻!

Nach einem sehr schönen Abschiedsabend wird es am Sonntag ernst: Jonny zieht mich erfolgreich ins Tal runter und ich kann den Abschleppwagen dorthin beordern. Vielen Dank lieber Jonny, du hast uns den Arsch gerettet 🙏! Anne hat sich in den letzten Tagen um eine Ferienwohnung in Granada gekümmert, welche wir am Montag beziehen können. Zusammen mit den Felis geht es zur Werkstatt. Kein schöner Ort zum übernachten, aber für eine Nacht ist es ok. Montag früh hat Julian seinen Werkstatttermin und spricht dann auch mit dem Werkstattmeister über unser Problem. Da das ganze etwas dauern wird, entscheiden sich die Frauen zusammen mit den Kindern in die Stadt zu fahren. Nach einigem Warten wird unser Auto vor die Werkstatt geschleppt. Uns wird gesagt, dass wir nicht warten brauchen und so schnappen wir uns unsere Hunde und spazieren zur Ferienwohnung. Die Übergabe klappt problemlos und wir können etwas entspannen. Der Rest trudelt am Nachmittag ein und wir Männer fahren zur Werkstatt, um Julians Wohnmobil abzuholen. Während ich das Nötigste aus unserem Wohnmobil umpacke, spricht Julian nochmal mit dem Werkstattmeister. Dann geht es gemeinsam zurück zur Ferienwohnung. Ein gemeinsames Abendbrot beschließt diesen langen Tag.

Mit der Werkstatt bleibe ich über WhatsApp in Kontakt und nun können wir nur noch abwarten und hoffen! Wir genießen den vielen Platz der Wohnung, die Badewanne und die richtigen Betten. Die Waschmaschine steht auch nicht still. Mittwoch Nachmittag meldet sich endlich die Werkstatt: sie haben den Motor zum Laufen bekommen! Die Ursache war tatsächlich der übergesprungene Zahnriemen. Dadurch wurden die Steuerzeiten verändert und ein Starten des Motor unmöglich. Ein neues Ersatzteil ist bestellt und wenn alles gut geht, ist unser Wohnmobil am Donnerstag fertig. Natürlich ist diese gute Nachricht eine unglaubliche Erleichterung! Obwohl der Luxus einer Ferienwohnung für uns sehr angenehm ist, wollen wir doch alle unsere eigenen rollenden vier Wände zurück. Der nächste Tag hält wieder mal eine Überraschung für uns parat: die Werkstatt meldet den Einbau des neuen Zahnriemens. Aber beim Einbau des Kühlers, bemerkt der Mechaniker ein abgebrochenen Anschluss! Dies ist uns beim Ausbau passiert und in der ganzen Hektik haben wir schlicht vergessen, das zu reparieren 🫣. Zum Glück ist der Schweizer David mit seiner Familie noch in der Nähe, sodass nach einem kurzen Telefonat ein Treffen vor der Werkstatt vereinbart ist. Zusammen reparieren wir den Anschluss und geben den Kühler wieder in die Werkstatt (ein neuer Kühler hätte 600€ gekostet!!). Die Mechaniker sind sichtlich beeindruckt und versprechen, dass wir das Auto am nächsten Tag abholen können.

Erleichtert geht es zurück zur Wohnung und wir verbringen einen gemeinsamen Abend mit der Schweizer Familie. Am Freitag bringen sie uns und das Gepäck mit ihrem Wohnmobil zur Werkstatt und wir können endlich wieder in unser Zuhause einziehen! Nach einem gemeinsamen Nachmittag trennen sich vorläufig unsere Wege wieder und wir steuern einen kleinen ruhigen Stellplatz an einem See südwestlich von Granada an. Wir müssen nach diesen turbulenten Wochen zur Ruhe kommen und brauchen mal wieder etwas mehr Zeit als Familie. Wir werden noch in der Nähe von Granada bleiben, da wir auf die beiden Pakete von unseren Eltern warten.

Fazit: es ist unglaublich bereichernd, was für tolle Menschen wir in dieser Zeit kennen gelernt haben und welch tiefe Freundschaften sich entwickelt haben! Wir sind unendlich dankbar für die Unterstützung von allen: Feli, Julian, Joelle, David, Jonny, Fabrice, Uwe, Pöschi – ihr alle habt uns so toll geholfen!!

Zum Schluss dieses langen Reiseblogs meine Erkenntnis: das Leben auf Reisen ist ein Abenteuer und die meisten Menschen, denen wir begegnen, eine große Bereicherung! Ich bin unendlich dankbar für diese Erfahrungen, die ich gemeinsam mit Anne und den Jungs teilen darf. Es ist genau das, was uns glücklich macht! Schaut euch diesen XXL Reisevlog auch gerne auf unserem YouTube Kanal an. Die Videos erscheinen jeden Sonntag um 17 Uhr – dann könnt ihr es >hier< sehen.

4 Responses

  1. Was für ein langer Bericht über eure zurückliegenden, z.T. aufregenden Wochen…mit Höhen und Tiefen. Und welch bereichernde Erfahrung, so liebe Gleichgesinnte zu treffen, die zu Freunden werden .
    Wünsche euch nun eine etwas entspanntere Zeit in eurem Zuhause auf auf Rädern.

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