Seit dem 1. April 2024 leben wir nun in unserem Wohnmobil. Im Mai 2024 starteten wir unser neues Leben on the road. Es zog uns Richtung Südosten in die Slowakei, Ungarn, Kroatien und Italien. Es folgte ein dreimonatiger Zwischenstopp in Rostock, damit ich noch einmal bei meinem alten Arbeitgeber DHL arbeite, um unsere Reisekasse aufzufüllen.
Die Zeit in der Heimat erwies sich als äußerst schwierig, da wir versuchten Anton, der ja nun eigentlich bald zur Schule gehen musste, für ein Jahr zu beurlauben. Ein wohlformulierter und ausführlicher Antrag wurde vom Schulamt mit ein paar Zeilen abgelehnt! Also blieb uns nur der Weg der Abmeldung aus Deutschland. Anne tat dieses mit Anton im August. Es folgte ein langer, nervenaufreibender Schriftverkehr mit dem Schulamt. Dieser gipfelte in der Behauptung der Kindeswohlgefährdung!!! Obwohl wir nichts Illegales taten und natürlich das Wohl unserer Kinder an erster Stelle steht, hatten wir kein gutes Gefühl mehr, hier in Deutschland zu sein und wollten schnellstmöglich weg. Nachdem auch ich mich zusammen mit Edgar abgemeldet habe, brechen wir endlich auf! Spanien ist unser Ziel, um zu überwintern. Was wir während der 7 Monate erlebten, habt ihr in diesem Blog ja schon gelesen oder könnt das gerne nachholen.

Im Rückblick nun ein erstes Fazit: wir haben schnell gemerkt, dass wir genau das Richtige machen! Unsere Unzufriedenheit mit so vielen Dingen in Deutschland hat uns bewogen, diesen Schritt zu gehen. Wir waren uns bewusst, dass nicht Jeder dies gut finden wird. Und so haben wir tatsächlich sehr unterschiedliche Reaktionen von Familie und Freunden erfahren. Vieles hat uns sehr beschäftigt und getroffen. Aber auch positive Resonanz gab es. Letztendlich haben wir diese Entscheidung ausschließlich für uns und für das Glück unserer kleinen Familie getroffen. Auf unserem Weg in unser neues Leben haben wir glücklicherweise viele Gleichgesinnte getroffen, die teilweise zu neuen Freunden wurden. Es gab sehr viele schöne Momente: die Tatsache, dass wir jeden Tag ausreichend Zeit für unsere Jungs haben und sie beim aufwachsen, lernen, spielen, lachen und weinen begleiten können, ist für uns das größte Glück und unwiederbringliches Gut! Der Gedankenaustausch, die vielen anregenden Gespräche und die neuen Bekanntschaften und Freundschaften tuen uns sehr gut. Die neue Spontanität und daraus resultierende Gelassenheit ist Balsam für unsere Seelen und ein unglaublich gutes Lebensgefühl.

Natürlich gab es auch einige Tiefpunkte. Da ich nicht mehr in Vollzeit arbeite, ist Anne nun die Alleinverdienerin der Familie. Durch ihre Selbstständigkeit ist es natürlich möglich, von überall aus zu arbeiten. Aber natürlich braucht es auch genug Kunden bzw. Kunden, die auch pünktlich zahlen! Der Druck, der deshalb auf Anne lastet, ist immens. Gemeinsam versuchen wir, diese Talsohlen zu bewältigen, was uns beiden nicht immer leicht fällt. Es gibt Phasen, in denen wir kaum noch Geld haben und überlegen müssen, wo wir etwas zu essen herbekommen. Wir müssen manchmal auch an einem Ort länger bleiben, weil wir nicht tanken können. Aber auch hier bekommen wir tolle Unterstützung und wertvolle Hilfe von unseren Familien und den neu gewonnenen Freunden! Mir wird zum Beispiel das Containern gezeigt, wobei man Lebensmittel vor dem Vergammeln rettet, indem man sie in Müllcontainern aufspürt und herausfischt. Es ist unglaublich, was alles weggeschmissen wird, obwohl die Lebensmittel noch gut und genießbar sind! Außerdem ist Anne sehr aktiv und einfallsreich, wenn es um das Finden und Erschließen von neuen Möglichkeiten des Geld verdienen geht. Somit hoffen wir, langfristig besser aufgestellt zu sein. Diese Erfahrungen lassen uns zwar manchmal zweifeln, aber sie stärken uns auch als Paar, Eltern und Team.

Mit der Zeit finden wir beide eine ganz gute Routine im Tagesablauf. Ich kümmere mich um die Jungs, um so Anne den Rücken frei zu halten für ihre Arbeit. Gemeinsam starten wir auch die große Herausforderung des Freilernens und finden hier glücklicherweise sehr gute Unterstützung von anderen Reisefamilien. Auch die Möglichkeit, unsere Arbeitskraft für einen Stellplatz anzubieten, nutzen wir oft.

Es zeigt sich, dass es immer einen Weg voran gibt, wenn man nicht aufgibt und positiv denkt und lebt. Wir als Familie haben die Zeit unseres Lebens und versuchen, diese in vollen Zügen zu genießen. Wir sind dankbar für die Gesundheit und Lebensfreude unser beiden Jungs. Wir wertschätzen die unglaubliche Unterstützung unserer Familien. Wir lieben unsere neue Freiheit, erfreuen uns an den neu gewonnenen Freundschaften und sind neugierig und gespannt auf alles, was noch kommen wird.

Einfach machen, es könnte ja gut werden!

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