Nach 3 wunderbaren Wochen bei Sarah und Mike auf dem Campingplatz brechen wir nun auf, um unser nächstes großes Ziel anzusteuern: das Nordkap.

Schweren Herzens verlassen wir das wunderschöne Härnösand und nehmen doch voller Vorfreude wieder einige Kilometer Landstraße auf uns. Doch ein paar Kilometer vor unserem nächsten Stellplatz steigt schlagartig die Motortemperatur und ich muss schnell einen Haltepunkt finden. In einer Parkbucht direkt neben der Straße zeigt sich mir das ganze Dilemma: das Wohnmobil verliert Kühlflüssigkeit und Hydrauliköl!! Die Ausgleichsbehälter für das Kühlwasser und das Hydrauliköl der Servolenkung sind komplett leer. Da ich hier direkt an der Straße nicht schrauben will, fahre ich noch ein kleines Stück weiter auf einen Schotterplatz etwas abseits der Hauptstraße. Nun geht die Fehlersuche los. Das Wohnmobil rauf auf die Auffahrkeile, um mehr Platz unterm Auto zu haben, Werkzeug raus und Arbeitsoverall an. Anne kümmert sich währenddessen toll um die Jungs und die Tiere. Nach einigem Suchen finde ich das Leck im Kühlsystem: ein dünnes Metallrohr ist von einem Gehäuse abgerissen und dort läuft das Kühlwasser, welches Anne probeweise nachfüllt wieder raus. Wir beratschlagen, was wir weiter machen wollen. Reparatur versuchen, Abschleppdienst rufen oder eine Nacht hier stehen bleiben. Die letzte Option kommt nicht in Frage (wegen der Nähe zur vielbefahrenen Straße), Abschleppdienst würde uns nur zur nächsten Werkstatt bringen (ob die die Reparatur hinkriegen, bzw. passende Ersatzteile haben und die Kosten sind zu viele Fragezeichen!); also versuche ich, das Leck notdürftig zu flicken. Nach einigem Fummeln und vielen Flüchen ist die Leckage gestoppt und wir fahren langsam ca. 20km zurück in die nächste größere Stadt. Dort gibt es einen großen Baumarkt (Biltema), in dem ich hoffentlich alle benötigten Ersatzteile und Flüssigkeiten bekomme! Ich hatte während der Reparatur etwas Zeit, um mir Gedanken über Lösungen zu machen. Da es hier oben kaum Iveco Werkstätten gibt und wir nicht genug Geld für eine Reparatur haben, beschließe ich, es selbst zu versuchen. Zum Glück bleibt auf der Rückfahrt die Motortemperatur stabil und wir verlieren keine Kühlflüssigkeit mehr. Nur die nicht mehr funktionierende Servolenkung geht arg in die Oberarme.
Wir übernachten mehr schlecht als recht vor dem Baumarkt und am nächsten Morgen (bei strömenden Regen 👍🏻) gehen wir alle zusammen zu Biltema. Die telefonische Rücksprache mit meinem alten Freund Pöschi nimmt mir zum Glück ein bisschen Sorge ab, denn er bestärkt mich in dem Plan der Eigenhilfe und gibt mir noch ein paar gute und hilfreiche Ratschläge. Der Baumarkt überrascht uns mit einem vielfältigen Sortiment auch im Campingbereich, Tierzubehör, Bootsausstattung, Spielzeug 🫣und einer großen Auswahl an KFZ Zubehör! Ich bekomme alles Gesuchte und wir nehmen einen kleinen Mittagssnack im Biltema-Restaurant ein.
Da ich nicht auf dem Parkplatz schrauben möchte, findet Anne einen guten Stellplatz nicht weit entfernt und ich kann mich erneut ans Werk machen, während die Jungs sich auf einem Spielplatz austoben können. Das Loch im Kühlkreislauf bekomme ich letztendlich gut verschlossen. Es ist vielleicht keine dauerhafte Lösung, aber wir können erstmal weiter fahren. Den Defekt der Servolenkung kann ich leider nicht beheben und so müssen wir es eben ohne Servounterstützung schaffen.

Anne hat natürlich in der Zeit recherchiert und Empfehlungen für 2 Werkstätten hier vor Ort bekommen. Doch leider haben beide nicht auf meine Anfrage per Mail reagiert. Ein nächster Hoffnungsschimmer ist Johann, ein deutscher Auswanderer, der ca.120km entfernt eine eigene Werkstatt besitzt und seine Hilfe angeboten hat.

Also entschließen wir uns, dorthin zu fahren und hoffentlich eine Lösung zu finden. In 2 Tagesetappen durch das schöne und sehr menschenleere Lappland erreichen wir unser Ziel. Die Motorkühlung scheint wieder ganz normal zu funktionieren. Johann empfängt uns vor Ort und wir fahren gemeinsam zu seiner Werkstatt. Ich schildere ihm die Probleme und die bisher ausgeführten Reparaturen. Zusammen schauen wir uns den Motorraum genauer an und entdecken einen defekten Ölschlauch vom Ausgleichsbehälter vom Hydrauliköl der Servolenkung. Nach kurzer Beratung empfiehlt er uns, die richtige Reparatur in Rostock zu machen. Hier oben in Schweden gibt es kaum Iveco Spezialisten und auch das Bestellen von Ersatzteilen ist aufgrund des Baujahres nicht ganz unproblematisch. Ob die richtigen Teile nach ca.3 Wochen hier ankommen, ist eine 50:50 Chance! Auch von einer Fahrt weiter Richtung Nordkap rät er ab, da die Besiedlung weiter nördlich rapide abnimmt und somit eventuelle Hilfe schwer zu bekommen ist.

Nach einer Nacht Bedenkzeit machen wir schwermütig kehrt und fahren wieder Richtung Süden. Wir wollen nichts riskieren und leider entpuppt sich auch der Rückweg über Finnland entlang der Ostsee als problematisch, da zur Einreise unsere Tiere kurz vorher von einem schwedischen Tierarzt entwurmt werden müssen und das ist sehr teuer! Also entscheiden wir uns, durch das Landesinnere Schwedens Richtung Westküste zu fahren.

Um doch noch zu versuchen, das Hydraulikleck zu reparieren und somit wieder leichter lenken zu können, steuern wir knapp eine Woche nach Abfahrt wieder Camping Sälsten in Härnösand an. Sarah und Mike empfangen uns herzlich. Ich helfe diesmal beim Anstrich der letzten beiden Hütten mit und auch Anne kann wieder mit ihrem Fachwissen helfen. Dafür bekommen wir wieder eine komplette Versorgung mit Strom, Wasser, Dusche, Waschmaschine und Eis 😊. Ich finde auch Zeit, um den Ausgleichsbehälter der Servolenkung auszubauen, den Schlauch zu flicken und das ganze nach erfolgreichem Einbau wieder mit Öl zu füllen. Nach einer wieder einmal sehr schönen Woche geht es für uns weiter. Wir verlassen Härnösand zum 2.Mal und hoffen, dass diesmal alles funktioniert und durchhält.

Wir tauchen ein ins dünn besiedelte Mittelschweden und sind sehr begeistert von der Landschaft, der Natur und den vielen Seen. Auf dem Weg über eine Schotterstraße zu unserem Stellplatz begegnen wir erst nach ca. 30 Minuten dem ersten Auto! Unserer Platz für die Nacht ist traumhaft: wir stehen ganz alleine direkt an einem See und die einzigen Geräusche sind die Wellen und Vögel. Diese wohltuende Einsamkeit und Ruhe entschädigt für die Enttäuschung über das nicht erreichte Ziel Nordkap! Wir genießen diese Idylle und planen schon wieder neue Abenteuer.

Glücklicherweise scheint auch die Reparatur erfolgreich gewesen zu sein, denn das Wohnmobil läuft wieder ohne Probleme.

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